Ein Appell aus dem Jenseits, ein Grußwort an eine erschreckend gegenwärtige Zukunft, ein neues Lied einer toten Band. Drei Jahre nach „Alles Was Ich Mache Ist Kunst“ und ein Jahr nach ihrem angemessen betrauerten Abschiedskonzert zuckt die Berliner Gruppe UNS noch einmal sehr heftig.
Mit „KOMM“ jedoch liefern Sebastian, Sebastian und Jens keinen Dachbodenfund, kein Outtake, keinen Reunionvorboten, sondern exakt die unbedingte Dringlichkeit, mit der die Band von 2009 bis 2019 allen massiv auf den Senkel ging – einfach aus dem Gefühl heraus, an dieser Stelle, in diesen Tagen, in diesem Moment noch einmal von Nöten zu sein.
„Dies ist eine Intervention“ bellt es über gewohnt rabiatem Synthpunk, der sich mit Wucht der folgenlosen Verzweiflung der Gegenwart entgegenwirft. Dem gesellschaftgewordenen „Muss ja“, dem Rückzug des Individuums in die Tristesse der Identität, in die Selfcare-Mühle und/oder den Teufelskreis aus Erschöpfung, Süßspeisen und Resignation schleudert die Band den letzten verbleibenden Kalenderspruch entgegen: „Komm, lass das Gewimmer. Gib nicht auf. Es wird noch schlimmer.“
Pandemiekonform kontaktarm nahmen die drei ehemaligen Bandmitglieder ihre Spuren auf, in Arbeitszimmern, Studios, verwaisten Proberäumen. Tobias Siebert zähmte die Schallwellen zu einem amtlichen Riegel; Jan Steins fand wieder einmal die ideale grafische Entsprechung zum Habitus dieser Band: Die Hand in großflächigem Neon, Hilfsangebot und Ohrfeige zugleich, als Insignie einer globalen Bewegung denkbar, die die Hoffnung eben deshalb nicht aufgibt, weil sie genau weiß: Morgen wird die Hölle sein.